Paradise Lost? Abfall in der Frühen Neuzeit
Abfall gehört nicht zu den Themen, die man mit der Frühen Neuzeit oder der frühneuzeitlichen Stadt verbindet. Erst in der Moderne, so das gängige Narrativ, wurde Abfall zu einem grundlegenden sozialen, ökonomischen und nicht zuletzt ökologischen Problem. Aus dieser Perspektive erscheint die Frühe Neuzeit häufig als eine weitgehend „abfallfreie“ Epoche, in der Knappheit, Sparsamkeit und Wiederverwertung die Regel waren und Wegwerfen die Ausnahme.
Der Vortrag stellt dieser Sichtweise eine andere Perspektive entgegen. Am Beispiel Londons im langen 18. Jahrhundert wird gezeigt, dass Abfall kein marginales Phänomen war, sondern ein universaler und alltäglicher Bestandteil städtischen Lebens. Anstatt den Umgang mit Abfall in der Frühen Neuzeit zu romantisieren und als ressourceneffizientes „Paradies“ darzustellen, plädiert der Vortrag für ein differenziertes Verständnis von Abfall. Die historische Perspektive kann einen Beitrag zu aktuellen Nachhaltigkeitsdebatten leisten – nicht, indem sie nach Vorbildern sucht, sondern indem sie ein nuancierteres Verständnis des überzeitlich spannungsreichen Verhältnisses von Menschen, Resten und Ressourcen eröffnet.
Wir bitten um Anmeldung bis zum 21. Juni 2026.
In Kooperation mit dem Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Zeit & Ort
22.06.2026 | 18:30
Freie Universität Berlin
Seminarzentrum, Raum L 115
Otto-von-Simson-Straße 26
14195 Berlin


