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Was können wir tun? Die praktische Funktion von Modalität

Leitung

Prof. Dr. Malte Rosemeyer, Institut für Romanische Philologie

Prof. Dr. Barbara Vetter, Institut für Philosophie

Das Netzwerk „Was können wir tun? Die praktische Funktion von Modalität“ bündelt die Expertise aus Sprachwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin, um eine handlungsorientierte Perspektive auf modales Denken und Sprechen zu entwickeln und systematisch auszuarbeiten. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Modalität in beiden Disziplinen zwar intensiv erforscht wird – in der Philosophie etwa als Kategorie von Möglichkeit, Wirklichkeit und Notwendigkeit sowie in der Tradition der Modallogik, in der Sprachwissenschaft als sprachliche Kodierung von Einstellungen (epistemisch, deontisch, dynamisch) –, ihre praktische Funktion im Kontext von Handeln und Interaktion jedoch bislang nur punktuell und disziplinär getrennt untersucht wurde. Das Netzwerk setzt hier an und zielt darauf, neuere Ansätze zusammenzuführen, die Modalität nicht primär als abstrakte Kategorie, sondern als Ressource des Handelns verstehen.

In einem ersten Schritt entwickelt das Netzwerk eine systematische Konzeption der praktischen Funktion modalen Denkens und Sprechens. Philosophisch wird hierzu beispielsweise die Methode der Genealogie herangezogen, um unter explizit hypothetischen Bedingungen zu rekonstruieren, welchen Gewinn das Verfügen über modale Begriffe bedeutet. Aufbauend auf aktuellen Debatten zur Genealogie sowie auf Arbeiten zum modalen Wissen wird die Hypothese verfolgt, dass modales Denken aus der Notwendigkeit entsteht, im Handeln zwischen Möglichkeiten zu wählen und diese als solche zu repräsentieren. Sprachphilosophisch und linguistisch wird ergänzend untersucht, wie modale Ausdrücke in konkreten Interaktionen als kommunikative Handlungsstrategien fungieren.

Zweitens untersucht das Netzwerk die Phylogenese modalen Denkens und Sprechens. Die historische Entwicklung modaler Ausdrücke ist in der Sprachwissenschaft gut dokumentiert; dennoch sollen etablierte Annahmen, etwa zur Entwicklung epistemischer aus deontischen Lesarten, im Lichte einer handlungsorientierten Perspektive neu bewertet werden. Dabei wird die These geprüft, dass semantischer Wandel wesentlich in wiederkehrenden interaktionalen Kontexten begründet liegt, in denen Modalität spezifische soziale Funktionen erfüllt. Durch die Verbindung sprachhistorischer, philosophischer und pragmatischer Ansätze soll eine integrative Erklärung modaler Wandelprozesse erarbeitet werden.

Drittens richtet das Netzwerk den Blick auf die Ontogenese modalen Denkens. Aufbauend auf entwicklungspsychologischer Forschung wird die Hypothese verfolgt, dass sich modales Denken bei Kindern aus handlungsbezogenen Konzepten heraus entwickelt. Parallelen zur Forschung zum kausalen Denken legen nahe, dass Möglichkeiten zunächst im Kontext praktischer Entscheidungs- und Handlungssituationen erschlossen werden. Ziel ist es, sprachwissenschaftliche, philosophische und psychologische Ansätze systematisch zusammenzuführen, um eine disziplinübergreifende Perspektive auf die Entwicklung modalen Denkens zu gewinnen.

Das Netzwerk wird dieses Forschungsprogramm durch einen zweitägigen Workshop mit internen und externen Gästen erschließen. Auf diese Weise stärkt das Netzwerk die Zusammenarbeit zwischen Sprachwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin und etabliert einen innovativen, handlungsbasierten Zugang zur Modalität, der ohne diese institutionelle und disziplinäre Bündelung nicht möglich wäre.

Mitglieder (Freie Universität Berlin)

Dr. Alexander Dinges (Institut für Philosophie)

Prof. Dr. Dina Emundts (Institut für Philosophie)

Prof. Dr. Uli Reich (Institut für Romanische Philologie)

Prof. Dr. Malte Rosemeyer (Institut für Romanische Philologie)

Prof. Dr. Barbara Vetter (Institut für Philosophie)

Prof. Dr. Ferdinand von Mengden (Institut für Englische Philologie)