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Schwefelringe als Schlüsseltechnologie

DFG fördert Chemiker der Freien Universität Berlin Dr. Franz-Lucas Haut zur Einrichtung einer Emmy Noether-Forschungsgruppe mit knapp 1,7 Millionen Euro

Nr. 018/2026 vom 18.02.2026

Wie lassen sich schwefelhaltige Ringe künftig gezielt als molekulare Bausteine einsetzen, um die Herstellung neuer Medikamente und Katalysatoren entscheidend zu beschleunigen? Dieser Frage widmet sich die neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe von Dr. Franz-Lucas Haut am Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin. Das Forschungsteam hofft dabei, neue Ausgangsmaterialien zu etablieren, um konventionelle Herstellungsverfahren effizienter und kostengünstiger zu gestalten und um neuartige Molekülstrukturen aufzubauen, die sich mit herkömmlichen Methoden nicht synthetisieren lassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Gruppe in den kommenden sechs Jahren mit 1,68 Millionen Euro. Das DFG-Förderprogramm eröffnet herausragend qualifizierten Wissenschaftler*innen nach der Promotion die Chance, frühzeitig eine Forschungsgruppe zu leiten und sich dadurch für eine Hochschulprofessur zu qualifizieren.

Der Chemiker Dr. Franz-Lucas Haut wird im Emmy Noether-Programm der DFG gefördert

Der Chemiker Dr. Franz-Lucas Haut wird im Emmy Noether-Programm der DFG gefördert
Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Die Emmy Noether-Forschungsgruppe von Dr. Franz-Lucas Haut wird zum „Aufbau multidimensionaler chemischer Strukturen ausgehend von Thiophenderivaten“ arbeiten. Dazu wollen die Forschenden innovative Synthesemethoden entwickeln, die auf dem Einsatz von bisher wenig genutzten schwefelhaltigen Ringsystemen basieren. Moderne katalytische Verfahren erlauben es, diese Ringe zunächst gezielt zu öffnen und anschließend in komplexere Ringstrukturen zu überführen.

„Das Modifizieren kleiner, zyklischer Moleküle entwickelt sich zu einer Schlüsseltechnologie, die die Entwicklungen zukünftiger Medikamente, Pflanzenschutzmittel, funktionaler Materialien und Katalysatoren erheblich beschleunigen wird. Hier können besonders schwefelhaltige Startmaterialien eine entscheidende Rolle spielen, da sie gut verfügbar und leicht zu herzustellen sind“, betont Dr. Franz-Lucas Haut.

Durch die Bestrahlung mit modernsten LED-Speziallampen sollen die Schwefelringe sowohl in kleinere als auch in größere Ringe umgewandelt werden. Auf diese Weise lassen sich Atome wie Sauerstoff, Stickstoff oder Phosphor leicht einbauen – ein wichtiger Schritt zur Entwicklung neuer Wirkstoffmotive aber auch Liganden, die einen entscheidenden Einfluss auf die katalytische Aktivität von Metallkomplexen haben. „Unsere Strategie erlaubt es uns aus einem einzigen Startmaterial ganz unterschiedliche Endprodukte herzustellen. Derselbe Schwefelring kann somit sowohl zu einem potenziellen Medikament als auch zu einem Katalysator für die Produktion von industriell wichtigen Grundchemikalien führen.“

Franz-Lucas Haut forscht seit 2024 als Liebig-Stipendiat des Fonds der Chemischen Industrie am Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin. Dort leitet er bereits eine eigenständige Nachwuchsgruppe, die neue Synthesemethoden durch den Einsatz von Katalyse entwickelt. Er promovierte 2021 an der Universität Innsbruck bei Prof. Dr. Thomas Magauer auf dem Gebiet der Naturstoff- und Heterozyklensynthese. Anschließend forschte er als Postdoktorand gefördert durch ein Feodor-Lynen Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung am Institut Català d'Investigació Química (ICIQ) in Tarragona (Spanien) bei Prof. Dr. Rubén Martín, an photokatalysierten Reaktionen mit Übergangsmetallen. (jkr)

Weitere Informationen

Kontakt

  • Dr. Franz-Lucas Haut, Freie Universität Berlin, Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie, E-Mail: f.haut@fu-berlin.de