Themen-Newsletter der Freien Universität Berlin
 

Im Browser öffnen

Logo et al.
 

Ich dich auch! Oder: Was macht die Liebe in der Wissenschaft?

Liebe Leser*innen,

so viel Liebe … Wir haben uns sehr über Ihre zahlreichen Rückmeldungen auf unsere Umfrage zu einem Jahr et al. gefreut. Es kamen gute Ideen und konstruktive Kritik, vor allem aber: weiter so! Das nehmen wir uns zu Herzen.

In et al. dreht sich diesmal alles um Liebe, Freundschaft und Beziehungen. Davon kann es nie genug geben, auch nicht in der Wissenschaft. Apropos Herzen: Für diese Ausgabe haben wir eine besondere Umfrage gemacht – scrollen Sie doch mal zu „innenansicht“.

Wie immer: Wenn Sie Lust auf noch mehr Freie Universität Berlin haben, finden Sie im Newsroom alle Beiträge, Pressemitteilungen, Artikel aus der Tagesspiegel-Beilage und Veranstaltungstipps. Mehr vom et al.-Newsletter? Alle bisherigen Ausgaben.

Die nächste Ausgabe von et al. erscheint am 13. Mai 2026.

Eine interessante Lektüre und eine gute Zeit bis zur nächsten Ausgabe wünscht
Ihr et al.-Redaktionsteam

 kopf und zahl 

PD Dr. Kerstin Müller

Bildquelle: privat

„Oft geht es in der Tierwelt pragmatisch zu“

PD Dr. Kerstin Müller im Interview

In Berlin wird immer geliebt – die (Wild-)Tierwelt macht da keine Ausnahme. Jeden Monat findet sich in der Hauptstadt mindestens eine Art zur Paarung zusammen. Ein ganz anderer wichtiger Beitrag zur Arterhaltung: tierliebe Berliner*innen, die verletzte Jungtiere in die Klein- und Heimtierklinik am Fachbereich Veterinärmedizin bringen. Kerstin Müller und ihre Kolleg*innen in Düppel behandeln sie dort kostenlos – dank eines Wildtierfonds des Berliner Senats. Je nach Jahres- und Paarungszeit landen unterschiedliche Arten auf dem Behandlungstisch: Im vergangenen Jahr wurden innerhalb einer heißen Juli-Woche 109 junge Mauersegler gebracht. Sie waren aus den Nestern gefallen, weil sie der Hitze unter den Hausdächern entkommen wollten.

et al.: Frau Müller, welche Berliner Wildtiere hegen gerade Frühlingsgefühle?

Wildtiere halten sich weniger an den Kalender als an Umweltbedingungen. Wenn es an einem Januartag mal etwas wärmer ist, beginnt bei Vögeln gleich das laute Zwitschern, um Partner zu beeindrucken. Einige Vogelarten sieht man schon jetzt beim Nestbau – trotz der Kälte. Die ersten Jungvögel, die wir in der Klinik sehen, sind meistens Waldkäuze. Bei ihnen beginnt die Balz, bei der sich die Paare durch Rufe finden, zu Jahresbeginn. Auch die Paarungszeit der Füchse fällt hauptsächlich in den Januar und Februar. In dieser Zeit sind sie sehr aktiv und fallen selbst in der Stadt durch lautes Bellen und Kreischen auf.

Während viele Wildtierarten nur einmal im Jahr Jungtiere aufziehen, können Eichhörnchen zweimal Nachwuchs bekommen: Die Hauptpaarungszeit findet von Januar bis März statt, oft folgt eine zweite Phase im Spätsommer. In dieser Zeit sieht man sie in der Stadt wild durch die Bäume jagen: Die Männchen folgen den Weibchen, die sie durch Duftstoffe anlocken. Stadttauben paaren sich offenbar das ganze Jahr über, denn verletzte Jungvögel werden zu jeder Zeit in die Klinik gebracht.

Nach welchen Kriterien wählen Wildtiere ihre Partner aus?

Grundsätzlich pflanzt sich in der Welt der Wildtiere nur die „Crème de la Crème“ der Population fort. Nur wer körperlich richtig fit ist, für Nahrung sorgen und ein gutes Revier verteidigen kann, wird als Partner gewählt.

Leben Wildtiere monogam?

Ob die Partner wechseln, ist artabhängig und nicht bei allen Arten erforscht – auch weil man das Geschlecht nicht jeder Wildtierart ansehen kann und zudem Individuen oft nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Oft geht es in der Tierwelt ganz pragmatisch zu: Wenn etwa bei Seeadlern, die eigentlich als monogam gelten, in der Brutzeit ein Altvogel ausfällt, kommt oft sehr zeitnah ein neuer zum Zug – einfach, weil es evolutiv sinnvoll ist und weil durch den Anstieg der Population ausreichend Individuen ohne Partner vorhanden sind und nur auf ihre Chance warten.

PD Dr. Kerstin Müller leitet die Abteilung Kleinsäuger, Vögel, Reptilien in der Klein- und Heimtierklinik des Fachbereichs Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin.

 innenansicht 

Haben Sie sich an der Freien Universität Berlin schon einmal verliebt?

Das haben wir die Follower der Freien Universität auf Instagram, LinkedIn und Mastodon gefragt. Partnerschaftliche Liebe, platonische Liebe, Selbstliebe – alles zählt! Ergebnis der Umfrage: Im Durchschnitt hat es bei 38 Prozent der Teilnehmer*innen auf dem Campus gefunkt, bei LinkedIn-Nutzer*innen häufiger, bei Instagram-Followern seltener. Aber wenn, dann richtig: Luciana schrieb via Instagram: „WS 23/24: Wir waren zusammen im Tutorium für Statistik I. Bald nicht mehr an der FU, aber für immer dankbar ❤️.“ Sebastian ließ uns wissen: „Ich habe Aaron beim Spieleabend kennengelernt ❤️.“

 

Gesamt: 38% Ja bei 601 Teilnahmen

Und das ist Sofiias Love Story: „Auf dem Weg zur Uni bin ich am Heidelberger Platz zur U3 gerannt, im Wagen stand er mir gegenüber, und ich musste ihn einfach anlächeln. Er lächelte zurück. Als ich ausstieg, dachte ich: Den sehe ich nie wieder. Doch auf dem Rückweg saß er wieder in der U3, ich habe mich ihm gegenübergesetzt, wieder haben wir uns angelächelt. Wie sich herausstellte, hatten wir denselben Weg: vom Heidelberger Platz mit der Ringbahn nach Gesundbrunnen, dann in die S25, ich bis Hennigsdorf, er stieg in Tegel aus. Erneut dachte ich: Den sehe ich nie wieder. Doch dasselbe Spiel wiederholte sich fast jeden Donnerstag, bis zu den Semesterferien. Im August bin ich auf Tinder gegangen – und sah sofort sein Profil mit einer Nachricht an mich: „Hi, ich weiß nicht, ob du mich erkennst: Wir haben uns oft in der Bahn getroffen, aber ich habe mich nie getraut, dich anzusprechen.“ Ich habe mein Match gegeben und ihm geschrieben. Beim ersten Treffen hat er mir erzählt, was er alles unternommen hat, um mich zu finden. Nun sind wir ein Paar. Wir studieren beide auf Lehramt an der FU, er Biologie und Geschichte und ich Deutsche Philologie und Geschichte :-).“

 andererseits 

Wie politisch ist deine Liebe?

Symbolbild: Wann vergisst das Recht - und warum?

Die Philosophie-Studierenden Clara Bittner Solis (l.) und L.A. Evans haben das X-Tutorial entwickelt und führen es durch. Sie fragen: Wie politisch wirksam können Liebesbeziehungen, Partnerschaften oder Freundschaften sein?

Bildquelle: Mascha Herbold / Brugger 

Das philosophische X-Tutorial „Liebe, Freundschaft, Revolution?” untersucht gesellschaftlichen Wandel „als Beziehungsfrage“.

Dass das Private auch politisch sei und das Politische privat, ist seit der zweiten Welle der Frauenbewegung Ende der 1960er Jahre ein Gemeinplatz. Aber es wird selten ausbuchstabiert, was das konkret und im Detail für die romantische Liebe oder für die Freundschaft bedeuten könnte.

Welche Formen der Beziehung sind so politisch, dass sie die Gesellschaft verändern können? Gibt es am Ende sogar so etwas wie revolutionäre Liebe? Das philosophische X-Tutorial „Liebe, Freundschaft, Revolution? Gesellschaftlicher Wandel als Beziehungsfrage“ von L.A. Evans und Clara Bittner Solis an der Freien Universität – ein studentisches Forschungsprojekt – versucht, die Frage zu beantworten, was an Liebesbeziehungen, Partnerschaften oder Freundschaften wirklich politisch wirksam ist.

Die Liebe, eros, und die Freundschaft, philia, waren in der Antike ein Hauptthema der Philosophie; in der akademischen Disziplin sind sie heute eher randständig. Warum ist das so? Welche Liebes-Beziehungen sind politisch im emphatischen Sinne? Wie steht es um queere Liebe: Ist sie per Definition widerständig, gar revolutionär? So viel vorab: auf die Praxis kommt es an – und die Räume. Für die Liebe.

Von Pepe Egger

Zur Langversion des Artikels

KI in der Notaufnahme: „Ganz klar: Technologie hat keine Gefühle!“

Symbolbild: Wann vergisst das Recht - und warum?

Claudia Müller-Birn ist Professorin für Human-Centered Computing am Institut für Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin.

Bildquelle: David Leimstädtner

 

Forschende der Freien Universität Berlin entwickeln eine KI für wartende Patient*innen in der Notaufnahme – und lernen dabei, dass Technologie den Kontakt mit Menschen nicht ersetzen kann.

Wer ohne akute Lebensgefahr in eine Rettungsstelle kommt, muss meist warten, bis die Behandlung losgeht, manchmal mehrere Stunden. Diese Zeit kann für Patient*innen aufreibend sein – vor allem wenn sie Schmerzen haben und nicht wissen, was als Nächstes passiert.

Hinzu kommen zahlreiche praktische Fragen: Darf ich auf die Toilette gehen, ohne meinen Platz zu verlieren? Kann ich kurz draußen frische Luft schnappen? Wann bin ich endlich dran? Doch in den überlasteten Notaufnahmen hat oftmals niemand Zeit, sie zu beantworten.

Genau hier könnte Künstliche Intelligenz helfen. Im Projekt ILLUMINATION arbeiten Forschende der Freien Universität Berlin, dem CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit, der Universität Heidelberg und der Charité – Universitätsmedizin Berlin gemeinsam mit der Berliner Algonaut GmbH daran, Large Language Models – also KI-Sprachmodelle – in der Notaufnahme einzusetzen. Doch das ist komplizierter als gedacht.

Von Christopher Ferner

Zur Langversion des Artikels

Was ist das denn? 

Bildquelle: Frank Fischer/Gephi

Wir zeigen einen Schnappschuss aus der aktuellen Forschung an der Freien Universität Berlin, und Sie raten, worum es geht. Die Auflösung gibt’s per Klick.

Was wurde hier wie erforscht?

 

Zur Lösung

 klugschatz 

Love: Do It Yourself?

Illustration: Yves Haltner

„Während sich junge Menschen im frühen 19. Jahrhundert am Ideal sentimentaler Romane orientierten, stehen heute Vorstellungen eines ‚autonomen‘, ‚souveränen‘ und ‚durchsetzungsfähigen‘ Managements von Intimität im Vordergrund“, sagt die Soziologin Polina Aronson.

Alles über moderne Beziehungen habe ich an einem Tag auf dem Bahnsteig der Berliner U-Bahn verstanden. Links eine Werbung für Fiverr, einen Online-Marktplatz für digitale Dienstleistungen: zwei Frauen, Rücken an Rücken. Die eine mit einem Auftrag, die andere bereit, innerhalb von 24 Stunden die perfekte Lösung zu liefern. Rechts eine Tinder-Anzeige: Seifenblasen, Glitzer, „Single does what single wants“. Zwei Plakate, die – bis zur Groteske verdichtet – den Alltag vieler Stadtbewohner*innen erzählen.

Tagsüber arbeiten wir projektbasiert, flexibel, selbstoptimiert. Abends organisieren Algorithmen unsere Dates. Arbeit und Intimität folgen derselben Logik: zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit dem richtigen Angebot zu sein. Wer zu spät kommt, hat verloren. Diese Logik ist Ausdruck der Gig Economy – nicht nur als Wirtschaftsform, sondern als neoliberale Lebensphilosophie, die den Menschen als autonomen, unternehmerischen Akteur versteht.

Eher Carrie Bradshaw als junger Werther

In diesem Setting werden auch unsere Gefühle zu einem Projekt: planbar, optimierbar, leistungsorientiert. In der sozialen Realität unverbindlicher Beziehungsformen entwickeln Menschen Fähigkeiten, die die am Sonderforschungsbereich „Affective Societies“ forschende Soziologin Elgen Sauerborn als emotional reflexivity bezeichnet. Der Begriff beschreibt Praktiken, mit denen Individuen über die sozialen Dimensionen von Emotionen nachdenken – über Emotionsnormen, Ideale und ihre gesellschaftlichen Funktionen. In Bezug auf Liebe kann das bedeuten, am eigenen Selbst zu arbeiten, um den Erwartungen an eine „richtige“ Liebesbeziehung zu entsprechen. Während sich junge Menschen im frühen 19. Jahrhundert am Ideal sentimentaler Romane orientierten, stehen heute Vorstellungen eines „autonomen“, „souveränen“ und „durchsetzungsfähigen“ Managements von Intimität im Vordergrund: eher Carrie Bradshaw als junger Werther.

Freiheit – aber bitte maximal erfüllend

Im Rahmen meiner journalistischen Forschung zum Thema Liebe im post-sowjetischen Russland brachte ein Interviewpartner diese Haltung auf den Punkt: „Liebe ist ein DIY-Projekt.“ Handgemacht, arbeitsintensiv – und gerade deshalb umso besser. Das Bild dafür lieferte er gleich mit: ein rotes Herz aus Bauklötzen, wie im Schaufenster eines DIY-Ladens. Bau dir deine Liebe selbst!

Dieser Imperativ steht einerseits für Emanzipation: die Freiheit, jenseits von Tradition, Dogma und Zwang zu lieben. Andererseits verwandelt neoliberale Rationalität Freiheit in eine Pflicht zur Produktivität. Selbstgemachte Liebe soll nicht nur authentisch, sondern maximal erfüllend sein.

Doch Schmerzvermeidung hat ihren Preis. Indem wir Liebe in „Beziehungen“ übersetzen, machen wir sie sicherer, aber auch ärmer. Liebe ist unberechenbar, ungerecht und kann abhängig machen. Beziehungen lassen sich managen. Liebe nicht.

Laut Eva Illouz besteht der Heroismus unserer Zeit darin, verletzlich zu sein. Emotional reflexivity müssen wir dafür nicht aufgeben – aber uns neu ausrichten: weg vom reinen Selbstmanagement, hin zu Aufmerksamkeit für die anderen. Denn wir leben immer schon in affektiv aufgeladenen Beziehungen. Möge es in ihnen mehr Liebe als Management geben.

Polina Aronson ist Soziologin und Öffentlichkeitsarbeitsbeauftragte am Sonderforschungsbereich „Affective Societies“, der gerade den Band „New Key Concepts in Affective Societies“ veröffentlichte.

Podcast Mixed Feelings: Die am SFB „Affective Societies“ forschende Literaturwissenschaftlerin Gesa Jessen und der Blogger Ole Liebl sprechen mit Polina Aronson über Geschlechterrollen, Normen und Erwartungen in modernen Liebesbeziehungen.

Bildet Banden!

In diesem Rätsel gilt es, aus 16 Wörtern vier Gruppen zu je vier Begriffen zu bilden, die durch eine gemeinsame Eigenschaft verbunden sind.

Ein Beispiel: Was haben ANANAS, ANGREIFEN, SESSEL und WECKEN gemeinsam? Die Lösung: Sie bedeuten in Österreich etwas anderes als in Deutschland.

Nun sind Sie dran: Finden Sie die versteckten Muster und bringen Sie die passenden Begriffe zusammen. Viel Erfolg!

PROBLEMO

GESICHTER

D-BRILLE

AUSWISCHEN

KOMMA NICHTS

KÄSEHOCH

BOCK

AUF DIE ZWÖLF

???

DEUTIG

NACH DEM ANDEREN

LINKE HÄNDE

A

MUSKETIERE

AUF 100

GLORREICHE HALUNKEN

Zur Lösung
Logo Freie Universität Berlin

Impressum

Freie Universität Berlin
Stabsstelle Kommunikation und Marketing

Kaiserswerther Str. 16-18
14195 Berlin

et-al-newsletter@kum.fu-berlin.de

Linkedin Mastodon BlueSky
Instagram YouTube Facebook

Newsletter abbestellen