Vortrag | Unfeeling Catastrophe. Histories of Denial & Infrastructures of Evasion
Wie reagieren Gesellschaften auf sich entfaltende Katastrophen – und warum dominieren angesichts globaler Krisen oft Verdrängung, Ignoranz und gesellschaftliche Gefühllosigkeit? Die Konferenz widmet sich den affektiven, politischen und sozialen Dynamiken der gegenwärtigen Polykrise – von der ökologischen Krise und kolonialen Kontinuitäten bis hin zur Zunahme brutal geführter territorialer Kriege, bei denen imperiale Logiken auf neue Technologien stoßen. Im Zentrum steht die Frage, welche gesellschaftlichen Strukturen Wahrnehmung und Solidarität ermöglichen und welche Formen der Derealisierung hervorbringen.
Ausgehend von Affect Theory und kritischen Analysen spätkapitalistischer Gesellschaften diskutieren renommierte Affekttheoretiker:innen wie Hannah Proctor und Billy Holzberg, die Philosophin Juliane Rebentisch, die Historikerin Anna Parkinson sowie weitere internationale Wissenschaftler:innen historische und gegenwärtige Formen von Gewalt, Verleugnung und gesellschaftlicher Desensibilisierung. Inspiriert von Walter Benjamins Satz „Dass es so weitergeht, ist die Katastrophe“ versammelt die Konferenz die Beharrlichkeit historischer Gewaltverhältnisse in der Gegenwart.
Das zweitägige Programm umfasst Vorträge und Diskussionen zu affektiven Dynamiken von Solidarität und Rache, politischer Wahrnehmung im Kontext von Krieg und Autoritarismus, zu den emotionalen Infrastrukturen gegenwärtiger Krisen und apokalyptischen Tech-Utopien. Die Konferenz eröffnet so einen Raum für interdisziplinären Austausch über politische Verantwortung, Wahrnehmung und Solidarität in Zeiten der Katastrophe.
Anmeldung erbeten per Mail: j.onstad@fu-berlin.de
Zeit & Ort
11.06.2026 - 12.06.2026
Freie Universität Berlin,
Rost- und Silberlaube,
Habelschwerdter Allee 45,
Raum L115 (Seminarzentrum)
