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Vortrag | Florida 2022: »Don’t say gay!«. Zwischen Verführungsangst und Sprechverbot

21.05.2026 | 18:00 - 20:00

Vortragsreihe zum Sammelband „Psychoanalyse und soziale Ungleichheiten – Gesellschaftliche Machtverhältnisse auf der Couch“

Dr. Dipl.-Psych. Bernd Heimerl

Das Gesetz über die Rechte der Eltern im Bildungswesen, allgemein bekannt, als das Don’t Say Gay-Gesetz des Bundesstaates Florida, 2022 verabschiedet, untersagt das Sprechen über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität vom Kindergarten bis zur 12. Klasse, wie auch die Verwendung von Pronomen, die der eigenen Geschlechtsidentität entsprechen, wenn diese vom zugewiesenen Geschlecht abweicht. Das Gesetz wurde schrittweise auf das Verbot von Büchern mit sexuellem Inhalt und den Gesundheits-Lehrplan sowie den Unterricht ausgeweitet.

Im Erstgespräch erscheint A in meiner Praxis und berichtet während des Gesprächs, er sei »ein Mann, der mit anderen Männern Sex habe«. Das Wort schwul oder homosexuell wird zu einer tabuisierten Identitäts-Benennung.

»Darf ich Sie fragen, warum Sie das Wort homosexuell vermeiden?« Diese Frage stellt Freud 1935 einer besorgten Mutter, deren Sohn homosexuell ist.

Drei Beispiele, die auf unterschiedliche Kontexte verweisen, in denen queeren Begriffen die magische Macht einer ansteckenden Verführung zugeschrieben wird, die über ein Sprechverbot eingedämmt werden sollen. Dem Wort Gay/Schwul/Homosexuell wird eine virale Macht zugeschrieben: einmal ausgesprochen infiziert es das ohnmächtige Objekt. Diese Angst ist nicht neu: 1892 erhält Oscar Wilde einen Brief seines Geliebten, indem er deren Liebe als eine »Liebe, die nicht wagt, ihren Namen zu nennen« bezeichnet. Der unbewussten Dynamik des Sprechverbots liegt eine Verführungsangst zugrunde, die sich sowohl gesellschaftlich als auch auf der Couch zeigt. Wie kann die sexuelle Verführungsangst psychoanalytisch verstanden werden? Was bedeutet es, wenn ein queerer Begriff mit einem gesellschaftlichen Sprechverbot belegt wird?

Der Vortrag ist Teil einer Reihe zum Sammelband „Psychoanalyse und soziale Ungleichheiten – Gesellschaftliche Machtverhältnisse auf der Couch“ (Herausgeber*innen: Nicole Burgermeister, Lalitha Chamakalayil, Esther Hutfless, Barbara Zach)

Der Hörsaal ist barrierefrei zugänglich. Für alle drei Veranstaltungen wird zudem synchrone Schriftdolmetschung angeboten. Bei Fragen melden Sie sich gerne unter christian.woll@fu-berlin.de

Moderation:

Judy Alan Richter & Sophie Maurer (Freie Universität Berlin) 

Es folgt ein weiterer Termin:

Donnerstag, 18.06.2026 18:00-20:00 Uhr

Psychoanalyse und Disability Studies, Prof. Dr. Mai-Anh Boger

Eine Fortsetzung der Reihe ist für das Wintersemester 2026/27 an der International Psychoanalytic University geplant.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Zeit & Ort

21.05.2026 | 18:00 - 20:00

Hörsaal 1a,
Habelschwerdter Allee 45,
14195 Berlin