Lecture | Höhere Wahrheit per Prompt? Postfaktisch-prämoderne Diskurse über KI-Bilder
Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung The Magic of Art – zum Verhältnis von Kunst, Religion und Emanzipation
Eine Ringvorlesung des Instituts für Religionswissenschaft der Freien Universität Berlin
Höhere Wahrheit per Prompt? Postfaktisch-prämoderne Diskurse über KI-Bilder
- Dr. Wolfgang Ullrich
Ideenfreiheit
„Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein“ – dieser Satz von Theodor W. Adorno verweist auf den Zusammenhang von Kunst und Religion. Die These, dass die Ursprünge der Kunst im Sakralen liegen, sie also einst in einen religiösen oder kultischen Kontext eingebettet war, ist dabei nicht das Einzige, was man daraus ableiten könnte. Auch dass Kunst in der Moderne ihren Bezug zum Heiligen nicht verloren hat, wäre zu bedenken. Ähnlich wie das Heilige beansprucht
sie, einer anderen Gesetzlichkeit zu unterliegen als das Profane. Nach Adorno würde das bedeuten: Kunst gehorcht keiner in
strumentellen Rationalität. Für eine kritische Theorie der Gesellschaft steht Kunst daher immer auch im Zusammenhang mit der Möglichkeit von Emanzipation
Wenn Kunst nun befreit sei „von der Lüge, Wahrheit zu sein“ – verzichtet sie dann auf jeglichen Wahrheitsanspruch? Nach Adorno keineswegs: autonome Kunst behielte ihren kritischen Blick auf gesellschaftliche Widersprüche, aber losgesagt von gesellschaftlicher Herrschaft. Als Magie war sie jenem Gedanken zufolge noch deren Instrument. So verstanden würde Kunst auf eine Wahrheit verweisen, die die nicht-realisierten Potentiale unserer Gesellschaft aufzeigt und auf deren Befreiung abzielt. Doch führt der Wahrheitsdiskurs als ein dogmatischer nicht in die nächste Form der Herrschaft? Legitimiert er nicht etwas Problematisches? Dialektische Fragen solcher Art werden in dieser Veranstaltungsreihe behandelt: Wie steht es heute, unter immer stärkerem Druck des Marktes, um den Zusammenhang der Kunst mit dem Heiligen? Hat Kunst für die zeitgenössischen politischen Bewegungen ihre emanzipatorische Schlagkraft behalten? Oder ist in der zu beobachtenden
Politisierung der Kunst ein neuer Fetisch entstanden? Wie geht ein politischer Aktivismus, der die Kunst in eine emanzipatorische Praxis einbettet, mit der religiösen „Herkunft“ von Kunst um?
Diese Ringvorlesung versammelt Perspektiven, die Kunst als säkularisiertes Heiliges vor dem Hintergrund ihrer gesellschaftspolitischen Relevanz denken. Dabei sollen nicht nur Philosoph*innen, Religionswissenschaftler*innen und Kulturwissenschaftler*innen zu Wort kommen, sondern auch Künstler*innen.
Die Vorträge finden in Präsenz statt und werden zusätzlich online übertragen.
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Time & Location
Jun 04, 2026 | 06:15 PM - 07:45 PM
Freie Universität Berlin,
Raum 2.2058 (Holzlaube),
Gebäudekomplex Fabeckstr. 23 – 25,
14195 Berlin
