Springe direkt zu Inhalt

Wie verändert KI die Nachrichten?

Wie hat sich der Journalismus durch die Digitalisierung verändert? Was ist positiv, was bedrohlich? - Aus der Reihe: Was sagt die Wissenschaft?

12.05.2026

Was sagt die Wissenschaft? Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger antwortet

Was sagt die Wissenschaft? Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger antwortet
Bildquelle: erstellt mit KI

Dieser Text wurde nicht von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben. Obwohl die das mittlerweile auch ganz passabel hinbekommen hätte. Oder? Die Transkription des Gesprächs, das diesem Text zugrunde lag, hat jedenfalls schon ein LLM, ein Large Language Model, erledigt. Ist es dann bald so weit, dass KI auch gleich den Rest erledigen könnte? Die Frage wird derzeit meist dann diskutiert, wenn die Nutzung von KI im Journalismus zu einer blamablen Panne führt, so wie es mit der Verwendung von KI-generierten Videos in einem Beitrag aus den USA im ZDF-heute-Journal der Fall war.

Prof. Dr. Christoph Neuberger: KI nicht nur als Gefahr bewerten, die eingehegt werden muss. Die positiven Potenziale von KI verdienen genauso viel Aufmerksamkeit.

Prof. Dr. Christoph Neuberger: KI nicht nur als Gefahr bewerten, die eingehegt werden muss. Die positiven Potenziale von KI verdienen genauso viel Aufmerksamkeit.
Bildquelle: Mo Wüstenhagen

Prof. Dr. Christoph Neuberger ist wissenschaftlicher Geschäftsführer und Direktor des Weizenbaum-Instituts und an der Freien Universität Berlin Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

Das Weizenbaum-Institut wurde im Jahr 2017 gegründet und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Land Berlin gefördert. Die Freie Universität Berlin ist Teil des Forschungsverbunds aus Berlin und Brandenburg, der das Institut trägt. Weitere Verbundpartner sind die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin, die Universität der Künste Berlin und die Universität Potsdam sowie das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Christoph Neuberger beschäftigt sich schon lange mit den Veränderungen, die die Digitalisierung für den Journalismus und die Art, wie wir Nachrichten konsumieren, mit sich bringen. Für den Kommunikationswissenschaftler ist der Einsatz von generativer KI nur die jüngste Etappe eines seit den 1990er Jahren dauernden Prozesses.

Neuberger konstatiert, dass der Journalismus in Bezug auf KI mittlerweile das erste Stadium der naiven Begeisterung und des naiven Entsetzens hinter sich gelassen habe. Inzwischen hätten sich Standards etabliert und professionelle Normen eingespielt: eine Kennzeichnungspflicht etwa, die überall sichtbar macht, wo KI zum Einsatz kommt. Oder die Pflicht des „human in the loop“, dass also KI-generierte Inhalte nicht ohne Prüfung durch den Menschen ausgespielt werden.

Neuberger will den Einsatz von KI aber nicht nur als Gefahr bewerten, die eingehegt werden muss. Die positiven Potenziale von KI verdienten genauso viel Aufmerksamkeit.

Bei vielen Anwendungen mache Künstliche Intelligenz Qualitätssprünge möglich – wenn man an eine europäische Öffentlichkeit denke etwa: Bislang wurden die vielen verschiedenen Sprachen als Hemmnis gesehen. Mit den Möglichkeiten KI-generierter Echtzeit-Übersetzung zeichneten sich ganz neue Möglichkeiten ab, sagt Neuberger.

Genauso im Datenjournalismus: Es könnten viel größere Datenmengen mithilfe von KI durchforstet werden als bisher. Auch in der Individualisierung von Inhalten könne KI zum Einsatz kommen. Eine weitere Einsatzmöglichkeit zeichnet sich Neuberger zufolge ab: In jüngster Vergangenheit gab es bei fast allen Großkrisen, man denke an die Corona-Pandemie, stets den Vorwurf, dass „die Medien“ einseitig berichteten. Ein KI-gestütztes Echtzeit-Medien-Monitoring großer Datenmengen könnte einen solchen Vorwurf entkräften oder aber blinde Flecken sichtbar machen.

So, und nun darf die KI hier noch die Rechtschreibkorrektur übernehmen.