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Was macht Hassrede mit der Wissenschaftsfreiheit?

Immer öfter werden Forschende für ihre Arbeit angefeindet. Wie können sie die Öffentlichkeit informieren, ohne von einer lauten Minderheit beschimpft oder bedroht zu werden? – Aus der Reihe: Was sagt die Wissenschaft?

22.04.2026

Was sagt die Wissenschaft? Forschungsergebnisse zielgerichtet verbreiten, empfiehlt Prof. Dr. Barbara Pfetsch von der Freien Universität Berlin und vom Weizenbaum-Institut.

Was sagt die Wissenschaft? Forschungsergebnisse zielgerichtet verbreiten, empfiehlt Prof. Dr. Barbara Pfetsch von der Freien Universität Berlin und vom Weizenbaum-Institut.
Bildquelle: erstellt mit KI

Für die Kommunikationswissenschaftlerin Barbara Pfetsch ist Öffentlichkeit – und dazu gehört digitale Öffentlichkeit – unverzichtbar: als Diskursraum, in dem Ergebnisse der Forschung präsentiert, diskutiert und evaluiert werden.

Zugleich muss Pfetsch konstatieren, dass eben diese Öffentlichkeit die Freiheit der Wissenschaft bedroht: Wenn Diskurs in Wut umschlägt, wenn Hassrede, Hate Speech, die Diskussion torpediert, wenn Forschende in ihrer Arbeit behindert werden.

Die Schwelle sei erreicht, wenn der Streit um das bessere Argument in Bedrohungen und Beschimpfungen umschlägt, in justiziable Taten, die Forschung unmöglich machen – weil sich kein Wissenschaftler mehr dem aussetzen wolle und so bestimmte Themen vermieden würden.

Pfetsch sagt, von Hate Speech, die die Wissenschaftsfreiheit bedroht, seien vor allem Angehörige von Minderheiten betroffen: Frauen, queere Personen, migrantische Forschende. Von der Selbstregulierung der Plattformen erwartet die Wissenschaftlerin wenig: Weil diese wegen ihrer Funktionslogik vor allem an Reichweite interessiert seien und an Aufmerksamkeits-Peaks, egal ob aus viralen Katzenvideos oder Hasskampagnen.

Barbara Pfetsch hat daraus ihre Schlüsse gezogen und plädiert für eine andere Form von Wissenschaftskommunikation: „Wir präsentieren unsere Forschungsergebnisse nicht breit in den sozialen Medien, sondern tauschen uns zielgerichtet mit den zivilgesellschaftlichen Gruppen aus, für die sie relevant sind. Damit unsere Forschung selbst nicht Gegenstand von Kampagnen wird.“

Prof. Dr. Barbara Pfetsch

Prof. Dr. Barbara Pfetsch
Bildquelle: David Außerhofer

Prof. Dr. Barbara Pfetsch ist Professorin im Ruhestand der Freien Universität und Principal Investigator der Forschungsgruppe „Dynamiken der digitalen Mobilisierung“ am Weizenbaum-Institut.

Das Weizenbaum-Institut wurde im Jahr 2017 gegründet und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Land Berlin gefördert. Die Freie Universität Berlin ist Teil des Forschungsverbunds aus Berlin und Brandenburg, der das Institut trägt. Weitere Verbundpartner sind die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin, die Universität der Künste Berlin und die Universität Potsdam sowie das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Weitere Informationen

Was sagt die Wissenschaft? In dieser Reihe antworten Forschende der Freien Universität Berlin auf Fragen unserer Zeit. Zuletzt erschienen: